Die Welt ist echt verrueckt: Da geh ich gerade fuer einen letzten Spaziergang auf den Durbar Square, auf einmal ist da eine riesen Menge an Leuten. Der Grund war eine franzoesische Brass-Band, die mitten zwischen den Tempeln ein Spontan-Konzert gegeben hat. Da waren hunderte Leute. Irgendwann ist dann eine nepalesische Brass-Band dazugekommen und die Leute sind ausgerastet! Die Bands haben dann zusammen gespielt und die Menge hat geschrien, getanzt, gesungen, ist rumgehuepft wie verrueckt und hat sich gar nicht mehr eingekriegt. Die Polizei ist dann dazugestossen, aber die Polizisten konnten nur zuschauen; irgendwann haben sie auch mitgeklatscht. Die Nepalis sind ja schon froehliche Leute, aber normalerweise alles andere als extrovertiert! Aber da sind sie echt ausgeflippt, bis nach Sonnenutergang – einmalig!

Bei so vielen Sachen, die man hier erlebt, kommt die Heimreise irgendwie abrupt. Ich hab mal versucht, online einzuchecken, aber bei meiner indischen Airline kann man Kathmandu gar nicht als Abflughafen auswaehlen. Kann also nochmal spannend werden morgen : )

Also: Namaste Nepal, vielleicht komm ich ja irgendwann mal wieder.

Das Internet hier im Cafe in Kathmandu macht grad ein bisschen, was es will, aber ich versuchs mal trotzdem.

Gestern bin ich, nach acht Stunden Busfahrt, wieder in Kathmandu angekommen. Ganz am Anfang meiner Reise hab ich das Gewusel hier ueberhaupt nicht gepackt, aber jetzt find ich es einfach nur noch toll! Ich bin dem Hippie-Leben treu geblieben (wir sind jetzt ja auch im nepalesischen Jahr 2068) und wohne ganz weit weg vom Touristenviertel wieder in der Freak Street.

Gestern Nachmittag wollte ich eigentlich nur durch die Stadt spazieren und etwas essen gehen, als ich ganz zufaellig einen aelteren Suedamerikaner aus Pokhara wiedergetroffen habe. Mit dem hab ich davor gar nicht geredet, aber er hat mich vom Sehen her wiedererkannt. Man muss sagen, der ist schon ein bisschen speziell; lebt mit seiner Frau und seinen fuenf Kindern seit sieben Jahren in den Bergen um Pokhara und verdient sein Geld als Schneider und Designer. Dann sind wir drei Stunden lang durch die Stadt gegangen, haben Masala-Tea mit den Strassenkindern und den herum-huepfenden Affen auf dem Durbar Square getrunken. Dabei hat er mir seine ganze Lebensgeschichte erzaehlt und mir seine eigenen Weissheiten weitergegeben: “free your mind, live in the moment, then you can do everything”. Meine Augen und mein Sternzeichen hat er dann auch noch analysiert. Das war schon was… : )

Heute hab ich Sightseeing gemacht: den Hindu-Tempel Pashupatinath, die Leichenverbrennungen am Fluss und die buddhistische Stupa in Bodnath. Im Handeln mit den Taxi-Fahrern werd ich auch immer besser: erst, wenn sie sagen, sie fahren nicht fuer so wenig Geld, beginnt der Preis realistisch zu werden.

Jetzt gibts grad Stromausfall und ich sitz im Dunkeln – nur die PCs haengen am Generator. Das wars dann fuer heut. Morgen ist auch schon der letzte Tag.

Irgendwie ist hier gerade Vormonsun. Es regnet jeden Tag; fast immer um die selbe Uhrzeit. Das ist eigentlich nicht so schlimm, aber heute haben wir mal wieder eine kleine Mountainbike-Tour gemacht; zum International Mountain Museum. War wirklich sehr interessant da. Draussen haben wir dann eine Gruppe nepalesischer Studenten kennen gelernt, die lauter Fotos von uns machen wollten. Die waren auch riesige Fans von “Michael Black”. Irgendwann sind wir dann draufgekommen, dass sie Michael Ballack gemeint haben. Fanden die total lustig.

Sonst stand eher Chillen auf dem Programm. Das ist aber gar nicht so einfach gewesen. Am Sonntag wollte ich mich an den See in die Sonne legen. Die ganze Zeit sind dann Leute vorbei gekommen, die mir irgendwas andrehen wollten: ein Boot vermieten, ein Motorrad vermieten, ein Pferd vermieten, mit mir paragliden, mir Yoga-Stunden geben, mir Massagen geben, …  Irgendwann bin ich dann auf meine Baustellen-Terasse gefluechtet.

Der Michi ist doch schon einen Tag frueher gekommen; davor war ich aber noch shoppen und hab mich mit lauter Hippie-Sachen ausgestattet. Das war auch gut so, denn wir haben jetzt die ultimative Hippie-Bar gefunden: das Shiva. Am ersten Abend dachte ich noch, es riecht nach Raeucherstaebchen, aber ich bin ziemlich schnell drauf gekommen, dass die “Raeucherstaebchen” rumgehen und geraucht werden. Meistens sitzen wir draussen ums Lagerfeuer rum, ganz viele Leute machen Musik: Banjo, Gitarre, Floete, Geige, Trommeln, Singen … Manche tanzen auch einfach, voellig der Welt entrueckt, herum und lassen das Universum auf sich einwirken… : ) Heute ist nepalesisches Silvester, mal schauen, wie wir das feiern!

Hier noch Michis Blog, falls ich was vergessen hab : )

http://einbayeraufreisen.wordpress.com/

Oh mein Gott, wir habens geschafft – Annapurna Base Camp, 4130 Meter!!! : ) Also, dass der Michi es schafft, war ja klar; aber dass ich es schaffe, nicht. Und alles ohne Traeger! Die ersten drei Tage, hab ich alle meine Sachen selbst getragen, aber dann hat der Michi einen Teil von meinem Zeug bei sich verstaut, weils einfach zu hart wurde. Jetzt bin ich nach neun Tagen Trekking wieder zurueck in Pohkara. Der Michi ist noch ein bisschen weiter gegangen, aber meine Kraefte waren langsam echt am Ende. Ich bin dann am achten Tag wieder abgestiegen. Alleine bin ich aber trotzdem nicht; im Basecamp hab ich eine Muenchnerin kennen gelernt, die ich zufaellig dann auf meinem Rueckweg getroffen hab. Und jetzt sind wir zusammen in Pokhara. In neun Tagen Trekking passiert so viel, das kann man gar nicht alles aufschreiben. Aber ich versuch mal eine Zusammenfassung zu bieten : )

Freitag: Wir haben bei gefuehlten 30 Grad die mega schweren Rucksaecke fast 1000 Hoehenmeter ins erste Bergdorf hochgeschleppt und wurden am Abend vom Fernseher im Essensraum mit einem indischen Twilight-Abklatsch berieselt.

Samstag: Wir haben vor dem schoensten Berg-Panorama bei Sonnenaufgang gefruehstueckt und sind dann ewig bergab gegangen, um danach alles wieder steil bergauf zu gehen, juhu : )

Sonntag: Wir haben das schmale Tal zum Basecamp betreten und haben uns wie Indiana Jones durch den Urwald geschlagen (ganz so schlimm wars nicht, aber Urwald wars wirklich).

Montag: Wir sind 1000 Hoehenmeter bis zur Schneegrenze gewandert und wurden am Abend gleich mal zugeschneit oder besser zugehagelt – zusammen mit 30 Japanern, die uns im Essensraum zur Verzweiflung getrieben haben.

Dienstag: Wir haben die letzte Etappe bergauf angetreten und haben es von 3200 Metern bis auf 4130 Meter hoch geschafft; das letzte Stueck komplett im Nebel. In der Nacht hab ich den schoensten Sternenhimmel meines Lebens gesehen: eine Milliarde Sterne, die Milchstrasse und die angestrahlten 8000er um mich herum – plus Sternschnuppe!

Mittwoch: 1500 Hoehenmeter bergab; dann war das Dorf voll, in dem wir uebernachten wollten und wir mussten im Pferdestall schlafen (also fast: Wellblechwaende waren dazwischen, aber der Geruch war der selbe).

Donnerstag: Nepalisches bergab: 20 Meter runter – 10 Meter hoch, 20 Meter runter … ; am Abend wurden wir von einer Killer-Fledermaus in unserem Zimmer attackiert.

Freitag: Der Michi ging wieder bergauf – ich bergab; am Nachmittag hab ich die Muenchnerin wieder getroffen und am Abend haben wir mit ihrem nepalesischen Traeger Karten gespielt.

Samstag: Zusammen sind wir ins Tal runtergegangen und der Treager hat es sich nicht nehmen lassen, meinen Rucksack mitzutragen – so ein Genuss war das Wandern noch nie : ) Danach folgte eine Busfahrt, die den meisten Achterbahnen auf der Wiesn Konkurrenz machen wuerde: mit Vollspeed am Abgrund entlang nach Pohkara runter.

Am Dienstag kommt der Michi wahrscheinlich wieder, am Freitag fahr ich dann nach Kathmandu. Davor findet aber noch das nepalesische Neujahrsfest statt. Ausserdem steigt gerade in Pokhara ein riesiges Techno-Festival, zu dem echt viele Leute gekommen sind. Ruhig wirds hier also bestimmt nicht.

Der letzte Tag in Pokhara. Pokhara ist wirklich wunderschoen, hier koente man es echt eine Weile aushalten. Morgen brechen wir aber zum Annapurna Base Camp auf.

Am Dienstag haben wir uns zwei Mountainbikes gemietet und sind fast den ganzen Tag in der Gegend herumgefahren. Wir haben uns eine Schlucht angeschaut, wo uns ein Hindu ein Tika auf die Stirn gemalt hat. Das sind die roten oder gelben Punkte, die bei den Hindus fuer das allsehende und allwissende dritte Auge stehen. Unser Ziel war eine Fledermaus-Hoehle. Innendrin war es stockfinster; das einzige Licht kam von unseren Stirnlampen. An der Decke hingen bestimmt mehrere hundert Fledermaeuse. Das Lustigste war aber der Weg nach draussen. Da ging es fast senkrecht die Wand hoch. Der Ausgang war ein enger Spalt. Mit Rucksack ist man da nicht durchgekommen. Oben sassen mehrere Nepalis, die sich darueber kaputtgelacht haben, wie wir uns durch den Spalt gequetscht haben.

Gestern sind wir den Huegel auf der anderen Seite des Sees hochgewandert, zur World Peace Pagoda. Zwei kleine nepalesische Jungs haben uns durch den Dschungel gefuehrt. Auf dem Weg nach unten gab es dann auf einmal ein Gewiter mit Platzregen und Donner. Auf dem Pfad stand ein kleiner Kiosk; dort haben wir unter dem Vordach, zusammen mit zehn anderen Touristen und Nepalis, ungefaehr eine Stunde gewartet, bis es wieder aufgehoert hat. Als sich die Wolken dann gelockert haben, konnten wir zum ersten Mal ganz kurz den Mount Machapuchare sehen (fast 7000 Meter hoch). Das ist schon Wahnsinn, wie weit der Berg einfach in in den Himmel ragt.

Heute gabs noch Besorgungen fuers Trekking zu erledigen. Ausserdem hab ich meinen Rucksack umgepackt: aus 17 Kilo sind jetzt weniger als zehn geworden. So kann ich ihn auch selbst hochtragen. Jetzt ist wirklich nur noch das Noetigste drin! Das hatte ich davor bei den 17 Kilo zwar auch schon gedacht, jetzt stimmts aber wirklich.

Vom Trekking kommen wir wahrscheinlich erst um den 13. April wieder zurueck. Dann melde ich mich erst dann wieder – ausser es gibt hoch im Himalaya auch ein Internetcafe   : )

Gerade schuettet es in Stroemen in Pokhara. Das ist ein ziemlich grosser Ort, ungefaehr 200 km westlich von Kathmandu. Von da starten wir in ein paar Tagen unser Trekking.

Der Flug war gut und alles Gepaeck ist angekommen : ) Von London nach Delhi sass ich neben drei jungen indisch-staemmigen Briten, die zum Cricket-Worldcup geflogen sind. Die haben mir erklaert, dass Alkohol das Blut verduennt und deswegen sehr gut ist auf so einem langen Flug. Dementsprechend haben sie dann auch echt viel getrunken; jeder mindestens drei Bier und drei Barcadi-Cola. In der Nacht mussten sie dann natuerlich die ganze Zeit auf die Toilette und immer an mir vorbei. Mit schlafen war da nicht so viel, aber es war trotzdem ganz lustig. Essen gabs die ganze Zeit: um halb eins (nach deutscher Zeit) Abendessen und um vier Uhr Fruehstueck – da waren wir gerade ueber Afghanistan. Von Delhi nach Kathmandu hat die Fluggesellschaft einen Fehler gemacht und mich in die erste Klasse gebucht, so viel Platz hatte ich echt noch nie in einem Flugzeug!

Die Fahrt in Kathmandu vom Flughafen zur Lodge war einfach nur krass! Wozu braucht man Verkehrsregeln, wenn man eine Hupe hat? Eigentlich hats ganz gut funktioniert, ich hab mich echt gewundert, dass wir mit keinem zusammengestossen sind.

Die Lodge war eine Hippie-Absteige. Direkt neben dem Zimmer auf dem Gang war ein Tatoo-Studio. Auf die Waende im Zimmer hat irgendjemand indische Goetter, Yaks und Berge hingemalt; an die Tuer hat jemand gekrizelt: “Welcome to reality, baby!”. Strom gabs nur manchmal, aber das ist in Pokhara auch so. Hier im Internetcafe hat der Besitzer gerade extra den Generator angeworfen.

Heute Morgen hat um 5:50 Uhr der Wecker geklingelt, weil wir um 6:30 Uhr beim Bus nach Pokhara sein mussten. Die Fahrt hat fast acht Stunden gedauert, aber wir haben einen Luxus-Touri-Bus genommen. Auf den anderen Bussen und LKWs fahren auch manchmal Ziegen auf dem Dach mit. Fast alle sind mit Goetterbildern geschmueckt, manche auch mit Lametta. Morgen schauen wir uns erstmal Pokhara an. Die Trekking-Permits haben wir schon besorgt.

München – London – Delhi – Kathmandu: 17 Stunden Flug. Gleich gehts los. Der Rucksack ist leider doch schwerer geworden, als geplant: 17 Kilo. Dafür ist aber auch alles Wichtige dabei: das Rotwein-Instant-Pulver zum Aufgießen, jede Menge Energy-Riegel mit ungefähr 1000 Kalorien pro Stück, eine sehr sehr umfangreiche Reiseapotheke, die Kamera mit Speicherkarten für 3000 Fotos, zwei Schlafsäcke, ein Vorhängeschloss, High-Tech Funktionskleidung und alles was man halt sonst noch so braucht, für drei Wochen Nepal (und davon zwei Wochen Trekking).

Hoffentlich kommt der Rucksack auch an; der Name der Fluggesellschaft klingt nämlich eher wie der einer Partnerbörse. Zwischendrin hab ich jeweils zwei Stunden Aufenthalt, also in London und Delhi. Da werd ich dann mal schauen, dass das Gepäck auch mitkommt! Ich bin schon gespannt auf Delhi, wenn alles gut klappt, kann ich dort vielleicht auch mal kurz rausgehen aus dem Flughafen. Mal sehen.

Sonntag Nachmittag komm ich dann in Kathmandu an. Die Zeitverschiebung ist auch interessant: Nepal ist 3:45 h weiter als Deutschland. Mehr gibts jetzt eigentlich auch nicht zu sagen im Moment. Nepal, ich komme! : )

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